Ein letztes Mal…

Ich bin nicht oft zu hause… Wer diesen Blog schon länger verfolgt weiß, dass ich als IT Berater die größten Teil der Woche unterwegs bin. Mit zwei kleinen Kindern gibt es da viele „Erste Male“ die man verpasst, nur am Telefon erzählt bekommt oder nur per Video mit erleben darf. Das ist auch gar nicht so schlimm, da ich ja wenn ich dann endlich zu hause bin MEIN erstes Mal erleben kann. Zuzusehen wie der Kleine seine ersten Schritte in meine Richtung geht, die ersten Worte hören. Ich glaube es gibt kaum ein Erstes Mal, was wir nicht in irgendeiner Form dokumentiert haben. Die vielen „letzten Male“ dagegen bleiben viel zu oft unbeachtet.

Früher war ich einfach nur der Papa. Papa die Spielmaschine. Ins Bett bringen und Notfallseelsorge waren Mamasache! Unumstößliches Gesetz! Da durfte ich mich einfach nicht einmischen. Vor ein paar Monaten hat sich das aber geändert. Unser Großer liebt es jetzt von Papa, wenn er denn da ist, ins Bett gebracht zu werden.

Letztes Wochenende war wieder einer dieser Momente. Eigentlich wollte ich den Zwerg nur eben schnell ins Bett stecken. Es gibt noch so viel zu tun… Also kuschel ich mich zu ihm und sage ihm, dass ich aber nicht so viel Zeit habe und er dann aber bitte schnell schlafen soll. Und dann liege ich neben ihm während er im Bett hin und her rutscht bis er endlich eine bequeme Schlafposition gefunden hat (Katzenbesitzer kennen dieses ewige hin und her drehen bis der Hintern endlich korrekt liegt 😉 ) und denke eigentlich die ganze Zeit nur daran, was ich noch alles zu erledigen habe.

Während ich also, als er dann endlich eingeschlafen ist, darüber nachdenke wie ich mich am unauffälligsten aus dem Bett befreie und raus schleichen kann passiert es. Mit einem zufriedenen Schnaufen dreht er sich um, kuschelt sich an mich ran und legt seinen Arm um mich.

Gerade noch wollte ich mich raus schleichen und jetzt liege ich hier, streichle seinen Kopf und während wir hier so liegen wird mir klar, dass es solche Momente vielleicht nicht mehr oft geben wird.

Irgendwann wird er mich Abends fragen ob ich ihn ins Bett bringen und mit ihm kuscheln kann und ich werde nicht wissen, dass es das letzte Mal sein wird. Ich werde es nicht festhalten können und ich werde mich nicht darauf vorbereiten können.

Ich werde nicht wissen, dass ich diesen Moment besonders schätzen oder versuchen sollte, jede Minute davon in meinem Gedächtnis zu speichern. Tage, Wochen, vielleicht sogar erst Monate später werde ich daran denken und versuchen mir in Erinnerung zu rufen, wann wir zum letzten Mal Abends in seinem Bettchen gekuschelt haben oder er in meinem Arm eingeschlafen ist. Es wird mir nicht mehr einfallen dieses letzte Mal…

Mir wird klar, dass ich es vermissen werde mich neben ihn in sein kleines Bettchen zu quetschen, ihm beim Schlafen zu zusehen und ihm dabei zu zuschauen wie er langsam einschläft. Der ganze Stress, der Ärger, die Probleme und mein Wunsch nach mehr Zeit für mich und meine Frau werden unwichtig erscheinen im Vergleich zu der Nähe und Liebe, die ich spüre, wenn ich hier neben ihm liege.

Und ich werde es bereuen mir nicht die notwendige Zeit und Ruhe genommen zu haben diese gemeinsamen Momente zu genießen. Diese Endgültigkeit wird mir in diesem Moment nicht klar sein.

Und es werden noch so viele letzte Mal kommen aber das wird mir erst klar sein, wenn diese Momente vorbei sind und ich sie um nichts in der Welt zurückholen kann. Wir haben so viele Erste Male konserviert und gespeichert. Aber diese vielen letzten Male sind für immer verloren.

Wahrscheinlich wird diese Erkenntnis mich nicht davon abhalten ungeduldig, frustriert, gelangweilt, genervt oder wütend zu reagieren, wenn mein Sohn nörgelt, mir sauer ist, sein essen auf dem Fussboden verteilt oder wieder mal ausflippt, weil er irgendetwas grad nicht darf.

Aber vielleicht schaffe ich es, gelassener zu reagieren, wenn ich mir klar mache, wie vergänglich das alles ist. Und dass zu jedem Moment, bei dem ich hoffe, dass er einfach nur schnell vorbei geht, auch etwas gehört, was ich irgendwann mal vermissen werde…

 

Wenn du mehr von uns lesen möchtest, folge uns doch auch auf Facebook. Freue mich auf euch ;-).

4 Kommentare zu “Ein letztes Mal…

  1. Lustig, ähnliches habe ich mir neulich auch gedacht, als Kind groß sich in mein Bett drängelte, mir meine warme Decke wegzog, seine kalten Füße an meine Beine schob und mir meine ganze schöne Bettwärme streitig machte. Erst war ich genervt (weil`s echt kühl wurde), dann habe ich mich gefreut, weil das Kind sonst durchschläft und gar nicht erst in mein Bett kommt. Wer weiß, ob ich das noch mal haben werde.

  2. Ich habe diesen Beitrag bei „Trusted-Blogs“ entdeckt.
    Ein sehr einfühlsamer Beitrag, voller Liebe und Zärtlichkeit für den Sohn. Den Moment festgehalten, Gefühle versucht zu verstehen und als Erinnerung zu speichern.
    Es ist schwer sich diese Momente zu bewahren und möglicherweise werden wir sie niemals wieder fühlen können
    Gruß Ede-Peter

  3. Pingback: Unser zweiter erster Kindergeburtstag und noch ein tolles Rezept - familyportrait

  4. Pingback: Ein letztes Mal: Plötzlich abgestillt... - familyportrait

Schreib einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: