Scheiß die Wand an, ist das schwer

Kinder können sich nicht aussuchen, ob sie geboren werden oder nicht. Allzu oft setzen wir sie in eine Welt, in der wir selbst nicht so richtig klar kommen und stellen sie vor Herausforderungen die wir selbst nicht eingehen würden. Anforderungen, die wir selbst nicht bereit waren umzusetzen…

Bisher war familyportrait ja eher der fröhliche Sonnenschein Blog oder zumindest sachlich. Aber ganz ehrlich… Auch wir haben so diese Tage an denen wir gern das Elternsein einfach hinschmeißen wollen…

So geschehen heute. Unser Jungs könnten unterschiedlicher kaum sein. K2 ist eher der ruhige besonnene Typ. Lieber einmal mehr einen Rückzieher gemacht als sich in Gefahr begeben ist sein Motto. Gilt grundsätzlich fast überall – nur nicht bei Steckdosen.

K1 ist das absolute Gegenteil! Immer mit dem Kopf durch die Wand! Auf Mama und Papa hören? Warum? Ich weiß doch selbst schon wie es geht. Zähneputzen, Haare fönen… Alles wird zum Kampf, wenn der Herr nicht mag oder einfach anderes grad mal wieder wichtiger scheint.

Der Kleine Bruder… Nur ein Spielball seiner Launen… Bis hierhin alles soweit normal?! Mag so scheinen, aber das ist es eben nicht. Heute war es einfach Zuviel. Mehr als wir ertragen konnten. Irgendwie hat K1 es geschafft eine neue Eskalationsstufe zu erreichen. Mama und Papa können nicht mehr. Und müssen doch… Wollen! Aber wissen einfach nicht mehr wie.

Wie die tagtäglichen Reibereien, die schon beim Frühstück anfangen und sich bist zum ins Bett bringen durchziehen, einfach weg reden und sich sagen, dass es nur wieder eine Phase ist. Ein Schub oder was auch immer bei dem kleinen Mann die Sicherungen zum Durchknallen bringt.

Es ist ein Gewitter. Dieses kleine Gehirn scheint sich von einem Kurzschluss zum Nächsten durchzuknallen. Grad ist noch alles okay und im nächsten Moment bekommt Mini wieder eine übergebraten. Einfach so… Ohne (erkennbaren) Auslöser.

Beschäftigung für länger als 30 Sekunden? Nicht möglich an solchen Tagen. Plötzlich ist wieder etwas anderes wichtiger und 30 Sekunden später muss wieder etwas anderes gemacht werden.

Eine schmale Überfahrt auf einer Brücke. Er weiß, dass er aufpassen muss. Er sagt es noch und während er so vor sich hin radelt passiert es wieder. Blitzschlag… Der Kopf ist irgendwo und zack stürzt er über den Bordstein. Natürlich endet die Tour auf der Straße. Was ein Glück, dass kein Auto kam…

Grad ist er noch fröhlich am Duschen und beim Haare Föhnen rastet er komplett aus. Eine Schreiorgie, bei der die Nachbarn denken müssen, dass er gerade abgeschlachtet wird. Warum? Das weiß er selbst auch nicht. Und wir noch viel weniger…

Warum uns das so beschäftigt? Weil wir wissen, dass er so anders sein kann. So liebevoll und aufgeweckt. Fröhlich, zufrieden und manchmal so philosophisch.

Klar liegt es in unserer Verantwortung, zu ergründen wo denn seine Sorgen, Ängste und Nöte liegen. Herauszufinden warum es ihm so geht, wie es ihm geht. Warum er tut, was er selbst nicht versteht. Aber manchmal ist man einfach nicht mehr in der Lage dazu. Dann überrollt einen dieser Elternzug einfach. Gleich nach dem Alltagssorgen- und Arbeitszug. Und man liegt da und weiß einfach nicht mehr, wie man das noch stemmen soll. Es ist schwer, schwerer als wir gedacht hätten. Schwerer als wir heute stemmen konnten.

 

Nachtrag: Seit ich diesen Beitrag geschrieben habe, ist bereits einige Zeit vergangen… Vieles ist besser, manches anders… Einiges ist einfach wie es ist… Würden wir es deswegen ändern wollen? Wohl kaum!

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